Der Sinn eines interaktiv kommentierten Anamnesebogens

Ein Anamnesebogen dient den in der Heilkunde Tätigen als das wichtigste Werkzeug bei der täglichen Arbeit. Man geht
davon aus, daß sich 60-70 % der (Verdachts)-Diagnosen alleine aus der Erhebung der Krankengeschichte stellen lassen.
Ein Anamnesebogen ist für die Heilberufe so etwas wie eine Checkliste für einen Jet-Piloten oder einen Ingenieur vom TÜV. Diese Checkliste sollte alle wichtigen Fragen und Punkte enthalten, die zur Erhebung der Beschwerden des Patienten und seiner Krankengeschichte erforderlich sind.


Bei der praktischen Arbeit haben wir gute und schlechte Tage; an manchen Tagen stehen wir unter Zeit-
druck, an manchen Tagen läßt uns unser Gedächtnis im Stich, und manchmal lenkt uns der oder die
Patientin mit Zwischenfragen ab, so daß wir einen wichtigen Punkt der Anamnese vergessen. Deswegen
können wir ohne Anamnesebogen nicht vernünftig arbeiten. Für die praktische Arbeit mit dem Patienten
können Sie den dreiseitigen Anamnesebogen ausdrucken. Sie erreichen diese Funktion über das rechts
abgebildete Druckersymbol im Werkzeugkoffer.


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen als blutiger Anfänger im Cockpit eines modernen Düsenflugzeus, und man drückt Ihnen die Checkliste in die Hand. Sie sollen nun alle Instrumente, Flugzeugeigenschaften, die Flugroute, die Wetterkarten, usw.
anhand dieser Liste überprüfen. Die Checkliste würde Ihnen gar nichts nützen: denn Sie haben nie gelernt, damit zu arbeiten.
Dieses Überlegung soll den Sinn eines interaktiv kommentierten Anamnesebogens klar machen. Ich will das didaktische
Prinzip diseses interaktiven Werkzeuges an einem Beispiel aus dem Anamnesebogen deutlich machen.


In der vegetativen Anamnese wird unter dem Punkt Atemwege nach Husten und Auswurf(Sputum) gefragt. Eine wichtige
diagnostisch verwertbare Eigenschaft hat das Aussehen des Sputums. Nun muß man einerseits wissen, wie der Auswurf
bei den einzelnen Erkrankungen der Atemwege aussehen kann, um danach zu fragen. Und dann sollte man noch wissen,
welche Krankheiten zu welchen Veränderungen am Auswurf führen. Dieses Wissen vermittelt der interaktiv kommentierte
Anamnesebogen. Wenn Sie auf die Links(blau und unterstrichen) klicken, werden dazu Fachbegriffskarten in dem oberen
Informationsfenster angezeigt. Hier könnten Sie folgendes erfahren.


Asthma bronchiale
Anfallsweises Auftreten von Atemnot infolge reversibler Bronchialverengung durch Entzündung und Hyperreaktivität der Atemwege. Klinisch ist
ein Anfall von Asthma. bronchiale. durch folgende Symptome gekennzeichnet: 1. asthmatische Geräusche 2. Dyspnoe und Angst. Der Patient sondert zähen, klaren Schleim ab.

Zigarettenrauchen
Die gewohnheitsmäßige Inhalation des stark suchtbildenden, nikotin-
haltigen Tabakrauchs. Das im Mundraum und v.a. in den Alveolen schnell aufgenommene Nikotin bewirkt durch Nachahmung der Neurotransmitterwirkung im Vegetativum eine starke sympathikusartige Reizung: Tachykardie, Schwitzen, beschleunigte Darmpassage. Rauchen begünstigt die Verschleimung, Husten, Arteriosklerose und das Bronchial-Ca.

glasiges Sputum weist auf Asthma hin
  Zigarettenraucher sondern oft hellgelbes Sputum ab
Aussehen des Auswurfs (glasig, hellgelb, grünlich, eitrig,

blutig)

Bronchiektasen erzeugen grünliches Sputum
  bei Pneumonie ist der Auswurf eitrig
  bei Lungen-Tbc tritt Bluthusten auf

Bronchiektasen
B. sind irreversible Erweiterungen einzelner Bronchien, die mit Husten, reichlichem und häufig grünlichem Auswurf und rezidivierenden Infektionen einhergehen. Sie sind lediglich symptomatisch behandelbar.

Pneumonie
Lungenentzündung; eine akute, meist bakterielle Entzündung der Lunge mit schwerstem Krank- heitsgefühl, hohem Fieber und eitrigem Auswurf.
Für kleine Kinder und im Senium wegen der Gefahr der Sepsis und des Kreislaufkollapses sehr gefähr- lich. Die Erreger sind oft Pneumokokken und an- dere Streptokokken; sie sprechen gut auf Penizillin an. Vor der antibiotischen Ära war die P. zusam-
men mit der Meningitis die häufigste Todesart.

Lungentuberkulose-offene Lungentuberkulose des Postprimärstadiums, die infolge der Bildung einer Kaverne mit Ver-
bindung zur Außenwelt hochansteckend ist. Nach dieser Form der Tbc wird in der Bevölkerung durch Röntgen-Reihenunter-
suchung gezielt gesucht. Die Träger der o. L.
werden abgesondert und durch Behandlung
saniert. Im Endstadium der Krankheit droht
der Blutsturz durch die Arrosion eines Lungengefäßes.

 

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